Sachen packen, Dinge machen

…und vor allem: Einen Abschiedspost schreiben. Ja, bevor ich überhaupt in den Flieger steige, aber ich kenn mich – wenn ich es heute nicht mache, geht es im ganzen Abschiedschaos unter, und in Deutschland kann ich mich dann nicht aufraffen.

Was war? Eine letzte actiongefüllte Woche, mit Kampagnenkickoffparties (check out the gallery!!!), Phonebanking (find ich anstrengend), einem weiteren Spaziergang im geheimen Geheimprojekt, und ein bisschen Abschiedsgedanken.

Beginnen wir mit dem Spaß: Der Party!

Samstag abend fanden sich jede Menge Menschen in unserem großartigen, frisch bemalten und bezugsfertigen Bürobunker ein. FogCityJournal hat jede Menge Spaß gehabt, und auch mir ging es sehr gut. Die meiste Zeit verbrachte ich hinter der Theke und gab Getränke gegen Spenden aus, und die Spenden flossen ebenso reichlich wie die Getränke. Der DJ legte gute Musik auf, und so tanzte das Thekenteam durch den Abend, erklärte Menschen, warum Mark großartig ist, und es wurde viel gelacht. Fein so! Und mein kompliziertes Spendenglaswechselgeldsystem war so lange gut, bis mir jemand mein 10-Dollar-Glas geklaut hat. Egal – it was a great night!

Phonebanking: Auch davon gibt es ein Bild in der Gallerie. Was ist Phonebanking? Es gibt öffentlich zugängliche Wählerverzeichnisse mit Telefonnummern. Kluge Menschen haben sich diese Nummern geholt, unsere Zielgruppe (registrierte Grünenwählerinnen und -wähler aus dem Bezirk) herausgefischt, und diese Nummern rufen wir jetzt an und arbeiten unser Skript durch. Das macht noch einigermaßen Spaß, auch wenn es doch mit die langweiligste Sache der Welt ist, wenn man zum vierzigsten Mal denselben Text auf einen Anrufbeantworter spricht. Deutlich weniger Spaß macht die andere Phonebank, welche ein Fundraiser für die Grünen sein soll: Innerhalb von 30 Sekunden ist das Skript bei der Frage angekommen, ob die angerufene Person nicht zufällig Geld spenden will. Mir liegt das nicht, und meine Erfolgsquote ist auch phänomenal gering (aber das ist anscheinend normal). Morgen mache ich meine letzten Anrufe, und gut ist.

Maildrop: Heute haben wir die letzten Straßen unseres kleinen, europäischen Geheimprojekts (der Deutsche und der Däne) mit Post bestückt. Mein persönlicher Erfolg: KEIN Sonnenbrand!

Abschied: Nachdem am Wochenende kurzzeitig vier Deutsche in der Wohnung waren (zwei Menschen, die über die Grüne Jugend an mein Sofa gekommen sind, und ein Mensch, der über einen der beiden an mein Sofa gekommen ist) und es doch etwas komisch war, hat sich die Zahl der Deutschen in der Wohnung schlagartig auf zwei Personen verringert, und ab morgen bin ich wieder der einzige German Guy. Und am Packen. Zwei mal 23 Kilo wollen ausgereizt werden, und dank der verboten gut sortierten Buchläden werd ich das vielleicht auch schaffen🙂 Das wird ein Spaß, ich hab mich in drei Monaten nämlich gut ausgebreitet. Ob ich alles finden werde?

Und mit was für einem Gefühl fliege ich eigentlich am Sonntag zurück? Habe ich alles geschafft, was ich hier schaffen wollte? Bin ich froh, wieder heim zu kommen, oder hab ich gar keine Lust mehr auf Deutschland?

Episode 235 der Serie.

(für Verschwörungsfreunde: Episode 235 der Serie http://www.asofterworld.com

An geheimen Plänen war meine Zeit hier ziemlich reich. Einige sind aufgegangen, andere nicht, aber ich bin froh, dass alles so kam, wie ich es wollte (und das Buch schreib ich irgendwann anders fertig…)

Was lief gut? Das Praktikum war chaotischer, als ich es im Vorfeld erahnt habe, aber dafür auch reich an vielfältigen Erfahrungen, sei es in City Hall, auf der National Convention oder als wichtiges Mitglied in Marks Kampagne. Die Tatsache, dass mich die Grünen einfach machen ließen, was ich wollte, war anfangs etwas anstrengend, aber mittlerweile merke ich, dass das unglaublich befreites Arbeiten ist. Und ja, es ist schwer, mitten in der Kampagnenzeit wieder heim zu fliegen, wenn noch sooooo viel zu tun ist. Autsch. Was ich hier nicht ausbreiten will, sind die vielen Punkte, an denen ich dankbar für mein bisheriges Studium war, wo ich weiterdenken will, was mich bewegt hat, wo ich schockiert war und und und – das ist alles politikwissenschaftliche Fachsimpelei, und das wird mich noch genug beschäftigen. Allerdings darf man mich jederzeit auf einen Kaffee einladen und die Vor- und Nachteile von Instant Runoff Voting in 1er-Wahlkreisen diskutieren…

Die Wohnung war ein echter Glücksgriff. Tolle Leute, und insbesondere in den letzten Wochen haben wir viele Abende zusammen verbracht. Eine große, glückliche Familie, zwar selten alle daheim, aber meistens irgendjemand. Die Luitpoldstraße kann sie trotzdem nicht ersetzen…🙂

Die Stadt. Gebt mir hier ein Jobangebot und eine Arbeitserlaubnis, und ich ziehe SOFORT hier her. Was 2005 als Affäre begonnen hat, ist nun eine ausgewachsene Liebesbeziehung, und wenn ich fliege, bricht mir das Herz, weil ich gerade mal die Oberfläche der Möglichkeiten dieser Stadt angekratzt habe. Die Offenheit der Menschen, die Vielfalt der Angebote, die bunten Wände in der Mission, der Kaffee bei Philz, die Smoothies in der JuiceBar, direkt um die Ecke vom Kampagnenbüro, mir werden sogar die abscheulichen Hipster fehlen, die mit ihren Oberlippenbärten und Truckercaps die Straße entlang skaten, und die ich nur deswegen nicht mag, weil sie mir viel zu ähnlich sind, ich alter Hipster (und das meine ich ironisch. Entdecke die Paradoxie in dir.)

Und trotzdem gehe ich auch mit einem lachenden Auge zurück.

Denn dieses Herz war schon gebrochen, als ich losgeflogen bin, und ich freue mich mehr als auf alles andere auf den einen Moment, wenn ich in Frankfurt aus dem Gepäckbereich komme und endlich wieder die Person in den Arm schließen kann, die mir hier mehr gefehlt hat, als es Worte beschreiben können.

Und was lief sonst nicht so wie geplant? Mein Plan, deutlich mehr skaten zu gehen, ist lange Zeit daran gescheitert, dass ich entweder nicht die Zeit oder nicht den richtigen Ort gefunden habe. Jetzt habe ich zwar einen echten Traumspot entdeckt und bin gerade dabei, einen wirklich leckeren Trick zu lernen – aber mir fehlt die Zeit!

Mein Fahrrad war so unglaublich oft kaputt. Mittlerweile habe ich jedes Teil, dass nicht angeschweißt ist, mal abgeschraubt in der Hand gehabt. Das Hinterrad musste ich komplett ersetzen (und erst am Montag erneut abmontieren, um einen Platten zu flicken), die Bremsen habe ich unglaublich oft nachkalibriert, und jetzt gehen sie richtig, richtig gut (solange man nicht zu fest drückt, dann springt die vordere Bremsbacke nämlich – aber das ist ein anderes Thema), die Kette müsste man mal ersetzen, die Gangschaltung bleibt jetzt immerhin im selben Gang, und das Gesamtgewicht ist unglaublich. Aber andererseits ist mein Hintern so knackig wie schon lange nicht mehr. Sweet Jesus! Trotzdem bin ich froh, das Teil demnächst mit dem verklärten Blick von „Es-war-einmal“ zu sehen, und nicht mehr jeden Tag fluchend das Teil durch die Gegend zu treten. Mittels Pedalen.

Das Wetter. Immer nur diese milden 20 Grad, diese frische Pazifikluft, ab und zu dieser Nebel, kein Niederschlag, bombastische Lichteffekte… ja, das Wetter war schon schrecklich. Was freue ich mich auf einen guten, gründlichen Regen, bei dem man mal ohne schlechtes Gewissen daheim bleiben kann! (nein, ernsthaft, das Wetter hier ist traumhaft. Sorry, Deutschland.)

Was fehlt: Ein gescheites Bett. Gott, wie ich Schaumstoffmatratzen HASSE. Und alleine schlafen. Beides in Kombination? Kein Wunder, dass ich morgens um kurz vor zwei immer noch blogge…

Was ärgert: Mein Computer. Seit dem Update auf das aktuelle Service Pack 3 für XP ist mein Grafikkartentreiber (und einige andere Funktionen des Intel-Chipsatzes) nicht mehr funktionstüchtig. Eine Deinstallation hat’s auch nicht geändert. Jetzt findet die Hardwareerkennung zweimal dieselbe Grafikkarte, aber kann keine Treiber installieren, obwohl ich mittlerweile so ziemlich alles ausprobiert habe, was man in dem Falle macht (aktuelle Treiber installieren, neustarten, Geräte deinstallieren und re-installieren, und das in verschiedenen Variationen). Füge noch die Tatsache hinzu, dass sich die Bildschirmschale auseinanderbewegt, und man hat: Frust. Frust. Frust. Noch ist Garantie drauf, und ich hoffe, dass sie diesmal die Ursache beheben, und nicht am Symptom rumdoktern wie letztes Mal, und vielleicht bringt eine Formatierung und Reinstallation von Windows eine Lösung für das Chipsatzproblem (wäre ohnehin mal an der Zeit, das System neu aufzuspielen), aber das sind alles Aufgaben für einen schönen Regentag im September. Bis dahin speichere ich meine Daten zur Sicherheit doppelt auf einer externen Festplatte. Man weiß ja nie.

Worauf ich mich außerdem freue: Die Uni! Ich bin so unglaublich motiviert, ab Oktober mit Vollgas zum Abschluß hinzuarbeiten, wie ich es wohl noch nie war! Kaum zu glauben…

Und: Auch wenn ich hier Freundinnen und Freunde zurücklasse, freue ich mich doch, ab Oktober auch wieder mehr Zeit für die Freundinnen und Freunde in Deutschland zu haben, die mich seit fast einem Jahr kaum noch gesehen haben und was mir sehr leid getan hat. Ich hoffe nur, ich erwisch die alle noch, bevor sie ihr Diplom machen. Und falls jemand den diplomierendsten Mitbewohner aller Zeiten ins LAB-Studium schmuggeln kann: Ich wäre sehr dankbar dafür, wenn ich den Großen noch ein paar Semester in meiner Wohnung und in Bamberg hätte…

Außerdem: Freut euch, Besucherinnen und Besucher diverser Poetry Slams, ich habe ein reichlich gefülltes Textbuch (auch wenn man davon außerhalb von Bamberg und Augsburg kaum etwas hören wird), und ich bin HEISS auf die Meisterschaften im Herbst! Das wird: Ein Fest!

Kurzum: Schey war’s! Postkarten schicke ich hoffentlich noch hier los, ansonsten gibt’s deutsche Briefmarken auf amerikanischen Karten…🙂 Ein dickes Danke an alle, die das hier möglich gemacht haben und mich auf meinem Weg und hier in den Staaten unterstützt haben – das größte Danke gebührt definitiv meinen Eltern, die das alles unterstützt haben und ohne die ich nicht hier sein könnte und die sowieso ganz großartige Eltern sind, und wenn wir ehrlich sind, sagen wir unseren Eltern viel zu selten, wie verdammt froh wir sind, sie zu haben, und ich bin jedenfalls unglaublich froh und unglaublich dankbar für die Beiden. DANKEDANKEDANKE!!!

So, und jetzt noch Bilder.

2 Antworten zu “Sachen packen, Dinge machen

  1. Nur in Augsburg und Bamberg slammen??? Das kannste mal verlöten. Und wenn ich dich eigenhändig nach Ansbach, Bayreuth, Fürth und Nürnberg prügeln muss!

    Gruß Michl.

  2. Pingback: Hallo, liebe INFAM-Leserinnen und -Leser! « Wuschel@SF

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