Wochenend und Sonnenschein…

… begann am Freitag mit einem netten Frühstück, bevor ich Wende und Alessandra (hoffentlich hab ich den Namen richtig geschrieben) die nähere Gegend gezeigt habe, bevor wir uns bei Philz niederließen und ich ihnen die Basics der Stadt in die Karte gemalt habe. Ich fürchte, meine Geschichten über die Schießereien, die letzten Mittwoch in der Nähe stattfanden, haben ihnen mehr Angst eingejagt, als angemessen ist… Übrigens: So oft, wie ich mittlerweile in Philz Coffee vorbeischaue, könnte man glauben, dass im Kaffee mehr suchterzeugende Stoffe sind als nur Koffein. Stimmt nicht. Was aber stimmt, ist die Tatsache, dass sie den besten Kaffee brühen, den ich je getrunken habe. Ich fürchte, ich muss mal nach Wien fahren und schauen, ob die dortige Kaffeekultur mit dem San-Francisco-Standard mithalten kann…

Nachdem ich die beiden dann mit gutem Gewissen an der Valencia Street vor einem indischen Restaurant abgesetzt habe, bin ich ins Rathaus, um im Kellerverlies des Elections of Departments („down the stairs, to the right, down the corridor, take a right again, and then it’s the third door to the left.“) Voter Registration Forms abzuholen, die sie mir in ungefähr vierzehn verschiedenen Sprachen angeboten haben. Zurück im Kampagnenhauptquartier warteten 600 Briefe auf Briefmarken (juhu…), bevor ich mich an die Vorbereitung des Precinct Walks gemacht habe.

Was zum Geier ist ein Precinct Walk?

Das Wahlregister ist öffentlich zugänglich, und wir haben als grüne Kampagne natürlich ein besonderes Interesse daran, die Grünenwählerinnen und -wähler für uns zu gewinnen. Also haben wir uns das Wahlregister besorgt, welches hier bequem auf CD-ROM erhältlich ist und über die eingebaute Software sehr einfach die gewünschten Daten ausspuckt. Mandarinsprechende Wählerinnen zwischen 40 und 65 aus Bezirk 3, die als Dauerbriefwählerinnen registriert sind? Kein Problem! Die Stadt ist von Precincts überzogen, die der Gegend um ein Wahllokal entsprechen – in unserem Wahlkreis sind das etwa 40-50 Precincts. Ein Precinct Walk besteht also darin, bei allen Leuten, die für die Green Party registriert sind, zu klingeln. Eine Vorbereitung für den Precinct Walk heißt: Listen drucken, vervielfältigen, nach geraden und ungeraden Hausnummern sortieren (läuft sich effektiver), die berühmten House Signs mit Büroklammern ausstatten, an die Klammer noch ein bisschen Literatur (im Neudeutschen auch bekannt als: Flyer) anheften, Stifte, Klebeband (was in Deutschland Tesa, ist hier Scotchtape, mit Schottenkaros auf der Innenseite der Rolle), Wasserflasche, Buttons, und natürlich die Hefter mit den Namen und Adressen (und Telefonnummern und Emailadressen…) – was man halt so braucht. Und dann bin ich aufgebrochen, um zum Spieleabend von SF Games zu gehen. Diesmal mit: Race for the Galaxy (gnadenlos verloren), Chez Geek (knapp verloren), und Top Secret Spies – in Deutschland auch bekannt als Heimlich&Co. Die Endphase zog sich ewig hin, was an schlecht ausbalancierten Spielkarten lag, die zu viele Möglichkeiten boten, einen Sieg zu verhindern. Letztlich habe ich darauf verzichtet, das Spiel weiter zu verlängern, indem ich eine blockierende Karte nicht gespielt habe. Was im Endeffekt ziemlich gut zur Spielidee passt: Ich bin so unglaublich Graue-Eminenz-mäßig, dass ich den Sieger bestimmen konnte🙂

Samstag hatte Jojo dann seinen letzten Tag in Kalifornien, und so verbrachten wir einen Tag in der Upper Haight, bei gutem Essen, leckeren Getränken, Trommelsessions im Golden Gate Park (mit dem abgefahrensten Yoga-Freak, den ich je gesehen habe. Unglaubliche Körperkontrolle…), und wir haben uns ausführlich über das Land, das Unisystem, die Elitemechanismen von Stanford und die Welt an und für sich unterhalten. Ein sehr schöner Tag, der durch prallen Sonnenschein nur noch verbessert wurde. Abends war dann aber bei mir Schicht im Schacht, und ich habe mich NICHT nochmal auf den Weg quer durch die Stadt gemacht, um ein Doom-Konzert der Extraklasse zu sehen. Stattdessen gab es literarischen Output in Form eines neuen Schreibstoff-Pieces, welches jetzt auf Rückmeldung von Felix wartet…

Sonntag war dann Tag 2 des Precinct Walks. Ich gebe zu, ich bin kein großer Fan davon, an Haustüren zu klingeln und Leuten zu erzählen, wen sie wählen sollen. Deswegen war ich auch ganz froh, dass viele Leute nicht daheim waren und wir einfach nur unsere Schilder unter der Tür hindurch geschoben haben. Anschließend war eine Debatte im Secret Garden, einem öffentlichen, wenngleich gut versteckten Garten, bei welchem die drei heißen Kandidaten im Rennen versuchten, sich mit ihren durchaus ähnlichen Positionen voneinander abzugrenzen. Ebenfalls anwesend waren die Aktivistinnen und Aktivisten der Homeless Coalition, die die Veranstaltung organisiert haben, und die Kampagnenteams der verschiedenen Kampagnen, vielleicht sogar ein paar bislang Unbeteiligte… Wir haben die coolsten T-Shirts🙂 Letztlich hat es Quezada, einer der drei Kandidaten, aber auf den Punkt gebracht: Es ist keine Wahl des geringeren Übels, wie in der Präsidentschaftswahl, sondern eine Wahl des besseren Guten – „unser“ Bezirk wird so oder so im nächsten Stadtrat gut vertreten werden.

Heute abend ist dann noch eine literarische Veranstaltung, ein Spin-Off des Litquake. Heute mit schreibenden Vertreterinnen und Vertretern der blühenden und sehr angenehmen sex-positive-community.

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