Good and Bad

Dienstag war so ein typischer Tag der San Francisco – Politik. Dienstag sollte um 11 Uhr eine Kundgebung für den „Clean Energy Act“, ein Volksbegehren mit dem Ziel, San Francisco vom Energiekonzern PG&E loszulösen und nebenbei auf 100% erneuerbare Energien umzustellen – schrittweise bis 2040. Ich kam eine Viertelstunde zu spät, aber das hat gepasst – die Kundgebung hat (erwartungsgemäß) mit einer halben Stunde Verspätung angefangen. Eine ganz besondere Art der Zeitumstellung. Nach einem wirklich schlechten und überteuerten Mittagessen wollte ich eigentlich einen guten Sitzplatz in der mit Spannung erwarteten Haushaltssitzung des Stadtrats haben, aber auf dem Weg zum Rathaus hab ich Bobby aus der Stadtratskampagne getroffen, die gerade gemeinsam mit der Gewerkschaft SEIU Last-Minute-Lobbying zugunsten der sozialen Dienste ausüben und eine Streichliste verteilen, die neue Planstellen im Management durch Beibehalten der bedrohten sozialen Dienste ersetzen würde. Also sind wir eine Stunde vor der Sitzung noch mal im lila Block (die Gewerkschaftsfarbe ist Lila) durch die Stadtratsbüros und haben mit verschiedenen Angestellten noch Gespräche geführt, in der Hoffnung, eine Last-Minute-Änderung im Budget zu erreichen. Die eigentliche Haushaltssitzung offenbarte dann ein schockierendes Unwissen, verschiedene Abstimmungen wurden wiederholt, bis auch der letzte Stadtrat wusste, über was eigentlich genau abgestimmt wird und was der Abstimmungstext eigentlich bedeutet. Schade war auch, dass ein Stadtrat 11 Millionen Dollar gefunden hat, die aus dem Budget hätten herausgelöst werden können, um soziale Leistungskürzungen abzumildern. Aber statt einen entsprechenden Änderungsantrag zu stellen, hat er sich darauf beschränkt, diese Äußerungen dem Gremium „zur Erhellung“ mitzuteilen. Dass ebenjener Stadtrat dann als Schlußbemerkung äußerte, dass der Stadtrat seinen Job als ebenbürtiger Partner im Haushaltsprozess nicht erfüllt hat, dachte ich mir: Selbst schuld, wenn man keine Anträge stellt, die wirklich was ändern könnten… und wenn sie abgelehnt worden wären (was vermutlich passiert wäre), hätte man immerhin klare verantwortlichkeiten benennen können. so ist der haushalt mit zwei neinstimmen beschlossen worden.

Am Abend gab es dann noch eine Podiumsdiskussion über die Stadträte in meinem Bezirk, inklusive einem kleineren Catfight zwischen der Moderatorin und einer Aktivistin aus dem Publikum, einem Ultra-Hardliner, der das linke Publikum mit seiner „Saubere Straßen“-Kampagne amüsiert hat, und der Erkenntnis, dass drei hervorragende Personen die Favoriten sind, welche alle drei keine schlechte Wahl sind. Beruhigend.

Soviel zum amüsanten Dienstag. Heute hat mich die Nachricht gefreut, dass am Freitag AT THE GATES in San Francisco auftreten. Die Band werden die meisten von euch nicht kennen, aber ihr Album „Slaughter of the Soul“ ist eins der besten Alben in der Geschichte des Metal, durchaus in einem Atemzug mit Slayers genialem „Reign in Blood“ zu nennen, und At The Gates haben sich eigentlich 1995 aufgelöst. Jetzt gibt es also eine Reunion-Tour, „um nochmal richtig Tschüß sagen zu können.“ Also vermutlich die einzige Chance, die Band in den nächsten fünf Jahren live zu sehen, und da hab ich vermutlich keine Matte mehr, die ich schütteln könnte. Point taken.

Schade nur, dass ich dafür ein Konzert mit den Skapunkern Less Than Jake verpasse, die auch in meiner iPod-Rotation einen festen Ehrenplatz einnehmen. Man kann nicht alles haben, vor allem nicht hier.

Außerdem sei mir der Verweis zu Sebis Blog erlaubt, der eine sehr gute Dokumentation über die christliche Rechte in Deutschland ausgegraben hat. Erschreckend, mit wem man die Bezeichnung „Christ“ manchmal teilen muss…

Eine Antwort zu “Good and Bad

  1. Der Verweis sei dir erlaubt. Beste Grüße nach San Francisco!

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