Chicago – Letzter Teil

Ha! Von wegen kräftig feiern! Die Grünen hatten ein nettes Edelgaladinner im Hilton, mit netter Hintergrundkapelle und rumsitzen. Not my Party! Ich hab mir also in einer Kneipe um die Ecke noch eine leckere Pizza reingezogen, ein bisschen Chicago-Kneipenflair genossen, einem beeindruckend guten Barkeeper, der wirklich ALLE Tresengäste unterhalten hat, aber dabei angenehm zurückhaltend war, ordentlich Trinkgeld gegeben, und dann einen schönen Abend im Hostel gehabt.

Am nächsten Morgen war dann noch ein Workshop zum Thema Iran dran, der leider nicht über die durchaus verwicklungsreiche Geschichte der USA mit dem Iran hinauskam, aber dafür neue Einblicke in die intensive Verbindung zwischen der CIA und dem Iran. Anschließend bin ich ins nächstbeste Museum gelaufen, das mir über den Weg lief – in diesem Fall das Chicago Art Institute, in welchem ich mich seit langem mal wieder der bildenden Kunst widmen konnte (schon komisch, wie selten ich mich mit dieser Kunstform beschäftige – wenn man bedenkt, dass meine längeren Beziehungen in den letzten Jahren nur mit bildenden Künstlerinnen stattgefunden haben…) Spannende, abwechslungsreiche Galerien. Bedrückend war die Beningallerie, welche nicht nur den kulturellen Reichtum Benins, sondern auch die plumpe und unsensible Zerstörung ebenjenes Reichtums durch das britische Empire dokumentierte. Schön war der moderne Teil der Gallerie, mit goldenen Perlenketten und Bonbonbergen – Kunstwerken, die ohne die begleitende Lektüre der Wandtafeln nicht verständlich wären, dann aber sehr gelungen sind.

Abends war ich dann in der Green Mill beim ältesten Poetry Slam der Welt, dem Uptown Slam, allerdings wollte ich diesmal nichts vortragen (und zum ersten Mal seit Jahren war ich nur als Zuschauer auf einem Slam…) es begann mit einem sehr gelungenen open mic, anschließend stepptanzten ein paar tänzer, die werbung für ihre verstepptanzung eines comics machten (keine ahnung, wie das gehen soll, aber zumindest tanzen konnten die beiden super. Anschließend performte das Chicago Speakeasy Ensemble – drei junge Poeten, eine junge Poetin – ihre Bühnennummer, die sich mit dem Thema „Kamera“ auseinandersetzte. Feinste Spoken-Word-Kunst! Beim eigentlichen Slam waren nur fünf Leute im Hut, und als es im Finale zum Punktgleichstand kam, wurde ein Stepptanzstechen durchgeführt, bei dem die Stepptänzer zur Poesie steppten und die Poeten zum Stepptanz dichteten. Ja, die Stepptänzer haben den Slam dann auch gewonnen.

Spannend ist der Vergleich mit Berkeley: Wo Berkeley hochgradig wettbewerbslastig war, ging es den Leuten in Chicago um eine gute Zeit, das Gewinnen des Slams war vollkommen nebensächlich und wurde vom Publikum und von Mark Smith (dem Erfinder und Gottvater des Poetry Slam) selbst ins Lächerliche gezogen – the points are not the point: in Berkeley hatte es einen Phrasentouch, in Chicago war es spürbar. sehr fein! Auch die Location war sehr angenehm, sehr 1920er-lastig, mit dicken Polstern und Sitznischen, und der Rauch der alten Tage war in Gedanken noch da…

Nach einer chaotischen Hochbahnfahrt in Chicagos Häuserschluchten – die Linie „Red“ wurde gerade umgebaut und undurchsichtig umgeleitet – war ich wieder im Hostel. Sauna, Baby…

Am nächsten Morgen ging es zum Bahnhof, wo ich feststellte, dass mir in San Francisco ein Ticket für den falschen Tag verkauft wurde UND dass Amtrak in unsichtbaren Kontingenten verkauft. 50$ später war das Ticket dann umgetauscht. Und weil sich jemand beschwert hat, dass ich zu lang und zu selten blogge, ist hier fini, die Amtrakgeschichten und das neueste aus San Francisco kommt dann nach.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s