Berzerkeley Poetry Slam

Me@Berzerkeley

Mittwoch war also Poetry Slam in Berkeley – wie JEDE WOCHE (gibt es das in Europa? Ich glaube nicht!), im Starry Plough, einer Kneipe mit Irish-Pub-Feeling. Nach 35 Minuten im BART bin ich in der Stadt im Osten der Bucht angekommen und finde auch recht schnell den Starry Plough. Ein Stück die Straße runter bin ich nicht nur nicht mehr in Berkeley, sondern in Oakland (die Grenze ist in etwa so offensichtlich wie zwischen Fürth und Nürnberg), und ein schönes Café finde ich auch noch. Neben mir erklärt ein Mexikaner einer Studentin die Notwendigkeit der kommunistischen Weltrevolution, ich genieße meine unglaublich leckere heiße Schokolade und bin etwas nervös. Ein paar Stunden später geht es dann los! Und nicht weniger als 20 Poetinnen und Poeten hoffen auf eine Chance, einen der 12 Plätze zu erlangen. Ich habe Losglück und kriege einen der sechs festen Plätze, die anderen sechs Plätze werden in einem zweiten Losgang verteilt. Ricky, ein Poet aus Chicago, der an meinem Tisch sitzt, hat Pech gehabt. Jetzt kommt der Mensch von der Kasse und kassiert 7 Dollar – ja, auch von PoetInnen von der Liste… Mittlerweile spielt DJane Monkeypants Soul und Funk, um die Stimmung anzuheizen, und dann beginnt der Slam. Moderator Chris erklärt kurz die Regeln. Moment: Word of the Day? Sudden Death Haiku? Audience Choice Winner? Ich bin verwirrt, da gibt es also doch Unterschiede zum deutschsprachigen Slamgeschehen.

Word of the Day: Ein Wort wird vom Moderator ausgewählt, welches einen Bonuspunkt gibt, wenn es spontan in den Text eingebaut werden kann. Das Wort heißt „Schadenfreude“ (ein weiteres, wunderbares Beispiel für deutsche Wörter im englischen Sprachraum), fand ich irgendwie witzig. Vor allem, weil ich es erst verstanden habe, als es an der Flipchart stand…

Sudden Death Haiku: Sollte es zu einem Punktegleichstand zwischen zwei Auftretenden kommen, gibt es ein Sudden Death Haiku – spontan improvisiertes Haiku-Duell. Meine Fresse! So weit sollte es heute abend aber nicht kommen.

Audience Choice Winner: Neben dem normalen Jurysystem (welches hier mit Dezimalstellen arbeitet – fand ich gut) gibt es noch einen Publikumspreis; 5 Plätze im Finale werden nach Jurynoten vergeben, den 6. Platz bekommt die Person, welche am häufigsten auf den extra dafür verteilten Abstimmungszetteln notiert wurde.

Der eigentliche Slam hat mich von den Themen her dann doch überrascht: Beinahe nur politische Texte, auf unglaublich hohem Niveau vorgetragen, ein paar Liebestexte, und fast jeder Text behandelte Rassen- oder Abstammungsfragen: Da gab es den Philippino, welcher gegen Katholizismus, Europa und die Vereinigten Staaten rappte, den Koreaner, der seine koreanischen Turnschuhe nicht mehr tragen will, um weißen Kindern zu imponieren, und auch in vielen anderen Texten kam viel persönlicher Hintergrund zum Tragen, da war von Brothers and Sisters die Rede, von Hoods und People… ich kam mir selten so weiß vor, auch wenn das Publikum selbst bunt durchmischt war🙂 mein eigenes Abschneiden war wie erwartet schlecht, die Nervosität hat mich sprachlich beschleunigt, ich habe den Fehler begangen, einen eigentlich auswendig gelernten Text mit Textblatt in der Hand vorzutragen, und die ein oder andere Formulierung kam auch quer… dafür bin ich mit meinen 23,6 Punkten (von 30 möglichen) mehr als zufrieden, zumal die Konkurrenz wirklich nicht von schlechten Eltern war. Und auch, wenn die Jury mich nicht in den Himmel gelobt hat, der Slammaster fand mich toll und hat mich gebeten, mal wieder zu kommen, wenn ich in der Gegend bin. Is ja auch schon mal was. Um kurz vor 12 bin ich dann, nach dem sechsten Feature-Auftritt, auf dem Weg zur BART gewesen und keine Stunde später wieder daheim gewesen. Fein!

Das T-Shirt ist übrigens das legendäre „einh&ert“-Shirt vom Poetry Slam Augsburg, auch wenn es mich auf dem Bild unglaublich wampig aussehen lässt🙂

Bilder sind an der üblichen Stelle. Die übliche Stelle könnte sich übrigens bald ändern, denn flickr hat mir gerade mitgeteilt, dass die ersten 200 Bilder frei sind, und jetzt soll ich doch bitte upgraden – kostenpflichtig, versteht sich. Nun gut. Die nächsten Bilder werden also „irgendwo anders“ hochgeladen werden – hat jemand gute Erfahrungen mit anderen Anbietern gemacht?

Außerdem: Neuigkeiten von der National Convention. Ich zitiere: „The registration fee is waived for international guests“ – JUHU! Ich muss also nur noch Unterkunft und Zugfahrt geregelt kriegen🙂

2 Antworten zu “Berzerkeley Poetry Slam

  1. super, freut mich für dich, dass du nach Chicago kannst. Tim empfiehlt dir ja, nicht nur zum Congress, sondernnoch ein bischen Tourimäßig Chicago zu betrachten. Slam, du schaust tatsächlich nicht ganz vorteilhaft aus.
    Ansonsten wie immer spannende Unterhaltung von Nils aus SF

  2. huhu,
    liebe grüße aus köln, an dem tag, an dem deutschland dem EM-finale entgegenfiebert…
    ist wirklich schön von dir zu lesen! zu deiner frage: ich lade meine fotos bei http://www.ipernity.com hoch. da hast du 200MB pro monat frei – weiß nicht, ob das für dich reicht. die community ist nicht so groß wie flickr, ist aber vielleicht nicht so wichtig. mich findest du unter „miss mutig“😉
    sehr liebe grüße und ein schönes wochenende!

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