Das Leben meint es gut mit mir

Das ist zwar keine neue Feststellung, aber sie bleibt einfach wahr. Gestern habe ich es geschafft, mein Fahrrad zu reparieren, und mich dabei unglaublich männlich gefühlt. Was war kaputt? Irgendwie hat sich am Donnerstag der Arm meiner Gangschaltung in die Hinterradspeichen gewickelt und bei der Gelegenheit (die mich recht abrupt abgebremst hat) auch noch den Seilzug der Gangschaltung ruiniert. Das wäre halb so wild, doch gleichzeitig hat sich auch noch mein Hinterrad in seiner Halterung gelockert und ist beim geringsten Kettenzug aus der Führung gesprungen. Grund für den ganzen Ärger war übrigens ein Geschäft, dass nicht mal in meinem Bezirk liegt – hab leider erst nach der Aktion realisiert, dass die Bezirksgrenze genau in der Mitte der Straße verlief. Hätte ich mal meine Karte besser im Kopf gehabt… Freitag abend war ich dafür wieder im El Rio und habe zwar das Mark-Sanchez-Freibier verpasst, dafür aber ein nettes Gespräch mit Ray von den Grünen über Politik in San Francisco gehabt. Vermutlich besser als amerikanisches Bier🙂
Egal. Heimrollen konnte ich auch so, nur halt nicht mehr in die Pedale treten. Freitag früh hatte ich nicht wirklich den Nerv, mich damit auseinanderzusetzen, also habe ich meine Route zu Fuß fortgesetzt. Auch schön, aber deutlich ineffizienter. Gut, in Sachen Effizienz wäre es ohnehin sinnvoller, einfach mal die Google Maps Straßenansicht zu nutzen und damit durch die Gegend zu cruisen, aber ich verbringe ohnehin schon genug Zeit am Rechner. Und es ist ziemlich gruselig, dass Google wirklich den allergrößten Teil des Straßenbildes von San Francisco als 3D-Foto im Netz hat… (andererseits: Erspart euch den teuren Flug, hier könnt ihr meine Straße auch bequem vom heimischen Rechner anschauen… die weiße Tür neben dem bunten Garagentor ist meine Wohnungstür).
Zurück zum Fahrrad: Samstag morgen verbrachte ich eine ölige Stunde damit, die verzogene Gangschaltung wieder zurechtzubiegen, diverse Schrauben neu anzuziehen, und das Fahrrad per Hand in einen gangbaren Gang zu bringen (denn so gut, dass ich ohne jeden Plan eine ohnehin schon stark lädierte Gangschaltung repariere, bin ich nicht). Jetzt ist aus meinem Drei-Gang-Monster (eigentlich gibt es ja sieben Gänge auf dem hinteren Zahnkranz, aber mehr als drei hab ich mit dem Schalthebel vor dem Crash auch nicht reingekriegt – und vorne sind zwar zwei Zahnkränze, aber kein Schaltmechanismus) ein Ein-Gang-Monster geworden, und das Hinterrad eiert ein bisschen – aber hey, ich rolle wieder! Yay! Und das alles mit nur einem Werkzeug, einer Zange…🙂
Samstag habe ich also endlich den Norden meines Bezirkes fertig erschlossen. Heute ist Sonntag, mein offizieller Schreibtag – heute wird also die Kunst gepflegt. Und da in meinem Künstler-Text nicht nur eine Menge Selbstironie, sondern auch ein Körnchen Wahrheit steckt, sitze ich dafür in einem Café, heute im Progressive Grounds. Ich warte noch auf ein Café, das mich wirklich enttäuscht, denn hier gefällt es mir auch wieder sehr gut! Der Kaffee ist Fair Trade und Bio, die heiße Schokolade ist mit leckerer, geschäumter Vollmilch, und zwar ein großes Glas für umgerechnet 1,60 Euro. (Fieser Vergleich beim derzeitigen Wechselkurs, aber trotzdem…), und die Musik bleibt auf entspanntem Manu Chao / Buena Vista Social Club – Niveau. Ansonsten arbeiten hier die meisten Menschen, ebenso wie ich, an ihren Laptops. Kostenloses WLAN zieht solche Menschen halt an.
Heute abend gibt es dann eine gediegene Ladung Death Metal – heute abend will ich weggehen, und das Lineup klingt sogar richtig gut (wenn man Death Metal mag. Ich mag Death Metal.)
Ansonsten gibt es neue Bilder bei flickr; zum einen ein „grünes Haus“, mit Solarzellen und Windrädern und so. Solarzellen sind hier in der Stadt bei weitem nicht so verbreitet wie im durchschnittlichen deutschen Wohngebiet, aber letzte Woche wurde ein mehrere Millionen Dollar schweres Paket verabschiedet, welches zukünftige Solaranlagen auf Häusern oder im Stadtgebiet (z.B. auf Parkplätzen) mit bis zu 80% der Baukosten unterstützt. Vielleicht wird das ja was.
Auf dem zweiten Bild seht ihr die Kampagnenplakate für „Parrotnotquail“ – Auf Deutsch: Papagei, nicht Wachtel. Hintergrund: Seit 77 Jahren ist die Kalifornische Talwachtel der offizielle Staatsvogel Kaliforniens. Jetzt gibt es eine Kampagne, via Petition den Papagei als Staatsvogel zu etablieren. (Andere Plakate der Kampagne lauten: 77 years – no results.) Hintergrund hinter dem Hintergrund: Die Firma Parrot stellt Headsets her. Ab dem 1. Juli gilt auch in Kalifornien Handyverbot am Steuer – außer, man nutzt eine Freisprecheinrichtung, wie sie beispielsweise die Firma Parrot herstellt… nun ja. Die Kampagne genießt eine gewisse Popularität und hat ein angenehmes, selbstironisches Element der sehr direktdemokratischen Politik Kaliforniens…
A propos Direktdemokratie: Liebe Grüße an Irland und die Europäische Union… ich finde es sehr spannend, von hier die Kommentare zu lesen, was man nun damit machen soll. Das Bewusstsein für demokratische Elemente auf Europaebene ist anscheinend noch nicht so weit, wie man ja auch immer wieder an der Wahlbeteiligung für die Wahlen zum Europaparlament sieht. Bin gespannt, wie es jetzt weitergeht.
Bild 3 ist ein Wandbild, welches „El Immigrante“ (oder so) heißt – fand ich sehr schön.
Bild 4 ist aus dem großen (und sehr dunklen) Sitzungssaal der Board of Supervisors; bitte beachtet den Mann mit dem grünen Hut…
Soviel für heute. Grüße gehen heute vor allem an den Landesausschuss der LAG Bayern, der ja am Freitag den bayerischen D-Day hatte – ich bin gespannt auf das Protokoll, Susi🙂

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