How to spend a Weekend…

Tja, anscheinend hat CIndy Sheehans Kampagnenbüro merkwürdige Öffnungszeiten, die leider nicht an der Tür stehen – Freitag nachmittag war jedenfalls niemand mehr da, meine diesbezüglichen Pläne sind also leider ein bisschen auf Eis gelegt. Dafür war ich abends in Momi Toby’s Revolution Café, wo der Bookrelease von Stencil Nation stattfand. Stencils sind mit Schablonen gefertigte Graffitis (auf der entsprechenden flickr-Seite sind einige sehr schöne Exemplare zu bewundern, u.a. vom Bürgersteig an der Seite des Revolution Cafés – besonderer Linktipp für Carmen!), und das Buch sah ziemlich gut aus – wesentlich eindrucksvoller waren jedoch die ausgestellten Stücke, welche einerseits Fotos von beeindruckenden Stencils waren, andererseits auch Stencils auf diversen Materialien (meine Favorites waren Porträts auf alten Bucheinbänden).

Auf dem Heimweg (ich wollte eigentlich nur kurz meinen Rucksack loswerden) bin ich dann noch in der Galeria de la Raza über eine Vernissageeröffnung gestolpert – welche Teil der Queer Latin Cooperation war, welche gerade das 10. jährliche Queer Arts Festival veranstaltete. Titel der Vernissage: „Maria::Politics, Death, Sex, Men.“ Innen waren verschiedene, sehr spannende Ausstellungsstücke, welche sich auf die ein oder andere Art und Weise mit dem Spannungsfeld von Homosexualität (bzw. Nicht-Heterosexualität) und dem kulturellen Latino-Background auseinandersetzten, insbesondere mit dem tief verwurzelten Katholizismus. Spontane Identifikation von meiner Seite, denn das Spannungsfeld ist mir ja selbst nicht fremd. Auch wenn ich nicht in einem katholischen Umfeld aufgewachsen bin, arbeite ich ja ehrenamtlich für die Kirche, und insbesondere die offizielle Politik der katholischen Kirche in Bezug auf nicht-heterosexuelle Menschen bringt mich regelmäßig in Versuchung (no pun intended), einfach alles hinzuschmeißen und mich zu weigern, meinen guten Namen weiter mit dieser Kirche in Verbindung zu bringen – wenn, ja wenn da nicht die vielen, vielen Menschen wären, die mir immer wieder zeigen, dass für die meisten Menschen in der Kirche (zumindest in Deutschland) Nicht-Heterosexualität kein Problem darstellt. Ich hoffe ja immer noch darauf, dass die offiziellen Verlautbarungen der Kirche irgendwann die Meinung ihrer Mitglieder vertreten – aber wie uns ja immer wieder vor Augen geführt wird, ist die katholische Kirche keine demokratische Institution.

Ich schweife ab. Die Ausstellung war jedenfalls grandios (hey Mom: Etablierte Kunst!), und ich bin dann am Abend auch daheim geblieben, anstatt noch auf ein Konzert zu gehen – mir war nicht mehr so nach Tanzen.

Samstag war dann großer Sporttag. Das Ziel: Der Pazifik. Das Ergebnis:

Der Pazifik!

Geschafft! Beim Weg habe ich mich etwas vertan: Ich bin über die Potrero Avenue Richtung Norden auf die 24. Straße Richtung Westen abgebogen, durch den Mission-Bezirk hindurch, bis ich im Noe Valley-Bezirk ankam. Welcher ironischerweise auf einem Hügel über Mission liegt. Den Hügel also hoch, bis ich auf die Castro Street, Hochburg der LBTG-Community, gekommen bin, welcher ich wiederum nach Norden folgte, weiter den Hügel hoch, bis ich etwa vier Blocks von der Market Street entfernt von Süden in den Stadtteil Castro kam (und dabei gemerkt hätte, dass ich mir den Anstieg hätte sparen können, wenn ich erst auf der 16. Straße nach Westen abgebogen wäre, denn jetzt ging es den Hügel steil hinunter bis zur Market Street.) Durch Castro hindurch, den nächsten Hügel hinauf, bis ich auf die Haight Street kam – genau, die Haight-Street, die Heim der Summer of Love-Hippies war. Den Hügel also weiter hinauf, der Haight Street entlang, bis ich zur bekanntesten Kreuzung der Gegend kam, die dem umliegenden Viertel seinen Namen gab – die Kreuzung der Haight Street mit der Ashbury Street. Die Gegend heißt auch Haight-Ashbury (die Leute machen es uns Touristenpack wirklich leicht).  An der Kreuzung liegt mittlerweile eine Ben&Jerry’s – Filiale, wo ich mir zur Stärkung einen leckeren Smoothie reingezogen habe. Am Ende der Haight Street (und damit auch auf der Spitze des Hügels) angekommen, ging es in den Golden Gate Park, 5 Kilometer lang und 800m breit. Ich musste ihn der Länge nach durchfahren (eher durchrollen, jetzt ging es sanft bergab), und die Abfahrt habe ich sehr genossen. Der Park ist wunderschön! Einige Fotos sind in der Bildergallerie zu finden, aber ich werde mir nochmal einen Tag richtig Zeit für die vielen Ecken dieser schönen Landschaft nehmen. Am Fuß des Parks lag dann der Strand. Lasst euch vom Bild nicht täuschen: Kalifornien und Juni und Sonne klingt zwar nach schönem Strandurlaub, aber die Lufttemperatur beträgt derzeit tagsüber zwischen 16 und 20° Celsius, es war also eher kalt als warm – Windgeschwindigkeiten von 40 km/h (haltet mal bei 40 km/h eure Hand aus dem Fenster – sowas bläst uns hier derzeit konstant um die Ohren) taten ihr Übriges, um jeden Gedanken an nette Planschereien ad acta zu legen. Die Füße wollte ich trotzdem noch im Pazifik wissen, das war schließlich mein Tagesziel.

Mit sehr erfrischten Füßen ging es dann zurück in den Park. Ich ließ mir Zeit und wählte bewußt eine andere Route als auf dem Hinweg, und unterwegs traf ich dann zum ersten Mal auf Menschen, die mir spontan unsympathisch waren: Spoiled White Brats. Junge Menschen, in etwa in meinem Alter, die Samstag nachmittag mit Bier aus Plastikbechern im Park rumhingen, laut grölten und einfach durch und durch dem miesen Klischee entsprachen, das man in Deutschland von Amerikanerinnen und Amerikanern so hat… sehr unangenehm. Man muss der Stadt allerdings zu Gute halten, dass ich zwei Wochen lang nur Menschen getroffen habe, die diesem Klischee nicht entsprachen. Und bestimmt waren das eigentlich auch total nette Typen – ich wollte es ja auch gar nicht rausfinden.

Später kam ich dann auf eine große Liegewiese, auf der ein Drum Circle stattfand, also etwa 30 Menschen mit verschiedensten Instrumenten, welche eine große, improvisierte Session abhielten – Deja Vu, hier war ich 2005 doch auch schon mal. Sehr cool. Der Typ vor mir hat in einer Tour eine Pfeife mit diesem süßlich riechenden Zeug geraucht, der hier sehr populär ist (am Parkeingang hängen zwar Schilder mit „Drug Free Park“, aber das ist wohl eher ein symbolischer Akt oder eine Goodwill-Erklärung der Behörden, keine Ahnung – es ist in jedem Fall KEINE Beschreibung der Realität…) und das Geschehen kommentiert – ich weiß nicht, ob er mit mir geredet hat oder dem Universum. Einige der musizierenden Menschen waren ebenfalls deutlich entrückt und hatten sichtlich eine gute Zeit. Ich auch (gute Zeit, nicht entrückt).

Der Heimweg führte mich dann noch am Axum Café auf der Haight Street vorbei, wo ich leckeres äthiopisches Essen zu mir nahm – ein Teigfladen mit rotem Zeugs darauf, das laut Karte Pilze, Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und „Ethiopian Spices“ enthielt. Tasty!

Außerdem experimentiere ich seit gestern mit Soyamilch, und den Frühstückstest hat die Milch schon mal bestanden – geschmacklich kein Unterschied. Die Öko-Erdbeermarmelade hat mich hingegen nicht überzeugen können… schade.

Heute morgen war dann ein fauler Tag. Lange geschlafen, bis mich die Hitze aus dem Bett gejagt hat (der Hochbettfluch), dann mit Deutschland geskypet, und anschließend die DVDs dieses Hauses durchgeschaut. Nachdem mich schon die Serie „Metalocalypse“ begeistern konnte, habe ich heute mit der Science-Fiction-Serie Firefly begonnen – und musste mich losreißen, um heute überhaupt nochmal produktiv zu werden. Dazu trat ich Hausflucht an und habe mich ins Atlas Café geflüchtet, wo ich… nun ja, produktiv geworden bin. Vielleicht wirds ja was.

Eure Meinung, bitte: Lest ihr das alles hier überhaupt, oder soll ich mich in Zukunft kürzer fassen?

4 Antworten zu “How to spend a Weekend…

  1. Nein!
    Ich lese deinen Blog mit großem Interesse und beneide dich jedesmal ein wenig mehr und frage mich: kommt der nochmal zurück???

  2. geht mir genauso – natürlich lesen wir (also mindestens ich & mein vorredner & wahrscheinlich noch ein dutzend leute mehr) das alles, & der neid lässt sich kaum zurückhalten. du hast eigentlich weniger ein praktikum als vielmehr eine art abenteuerurlaub😉
    eine frage noch: was/wer ist die LBTG-community?

  3. sanfranils

    anscheinend hab ich die abkürzung ein bisschen verdreht – Wikipedia spricht von LGBT und meint damit die LesbianGayBiTranssexual/Transgender-Community. Die Abkürzung hört man hier allerorten, da sie derzeit der politisch korrekte Begriff für die sexuellen Vielfältigkeiten der Bevölkerung sind.
    @matthias: Ja, ich MUSS ja wieder kommen… (wollt ihr nicht einfach alle herziehen?)

  4. immerwieder tauchen auch Bezeichnungen wie LGBTIQM auf (Lesbian-Gay-Bisexual-Transanything-Interanything-Queer-Misc.) auf…. lustiges Spiel mit Ein- und Ausschlüssen. ;-.)

    @Nils: Ja. Auch ich bin bekennender wuschelsf-Blog-Leser….. und auch neidisch.:-/

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