Cooling down

So, nach dem stressigen Dienstag ist die restliche Woche in der Tat ruhiger verlaufen. Mittwoch habe ich die Zeit genutzt und mich mittels der einschlägigen Medien – dem Guardian, dem Online-Magazin BeyondChron (eine Anspielung auf die etwas konservative Tageszeitung, den San Francisco Chronicle – mit dem ich mich ebenfalls beschäftigt habe), dem Online-Auftritt der Stadt sowie der höchst umstrittenen Person des Supervisors Chris Daly auseinandergesetzt (der sogar einen eigenen Hassblog bekommen hat. Viel Feind, viel Ehr‘? In jedem Fall eine spannende Person – checkt den Wikipedia-Artikel! Sehr unterhaltsam.) Langsam kriege ich ein Gespür für die Namen in dieser Stadt, wer mit wem gegen wen und warum und wofür. Spannend ist, dass sich der Bürgermeister aus den meisten Dingen raushält und die große Schlammschlacht weitgehend meidet – der Merkelsche Weg.

Donnerstag war dann wieder City Hall angesagt. Ich nahm an zwei Kommissionssitzungen teil, zum Einen an der Rights Commission (die sich vor allem um die Belange aller möglichen Interessensgruppen kümmert.) Der erste Tagespunkt drehte sich darum, Untertitel für alle öffentlichen Fernsehgeräte (sprich: Alle Fernsehgeräte im öffentlichen Raum, also in Restaurants, U-Bahn-Stationen, Schaufenstern etc.) verpflichtend einzuführen – eine Maßnahme, die anschließend eine halbe Stunde lang von verschiedenen Vertreterinnen und Vertretern verschiedenster Organisationen und von Privatleuten lautstark unterstützt wurde. Feine Geste: Die gesamte Diskussion wurde von einem Gebärdendolmetscherteam übersetzt, die Fernsehgeräte im Raum übertrugen die Redebeiträge ohnehin mit Untertiteln. Die Kommission tat anschließend das, was sie mit allen anderen Tagesordnungspunkten auch tat: Sie empfahl sie einstimmig dem gesamten Board of Supervisors zur Beschlussfassung. Die Sitzung ist am Dienstag, ich bin gespannt. Die übrigen Tagesordnungspunkte drehten sich um verschiedene Neu- und Wiederbesetzungen von Kommissionen. Nothing unusual there, aber spannend war dann doch der Stellenwert der Veteraninnen und Veteranen in der amerikanischen Zivilgesellschaft – das fand ich befremdlich, aber glücklicherweise ist eine der wichtigsten Vet-Gruppen „Veterans for Peace“, der Vorsitzende der Veterans Affair Commission wies mehrfach darauf hin, dass er gegen die Invasion des Iraks gearbeitet hat, … schon spannend. Spannend auch, dass sogar ein Veteran in seinen 80ern, der seine Dienstzeit mit „From World War II to Vietnam, I’ve seen ‚em all.“ angegeben hat, sich für eine Gesellschaft ausgesprochen hat, in der Veteraninnen und Veteranen ungeachtet ihrer Rasse, Herkunft, Geschlechts, sexuelle Orientierung, Behinderung und (er hat bestimmt noch ein paar weitere Kriterien aufgezählt, die mir gerade nicht mehr einfallen) nach ihrem aktiven Dienst in die Gesellschaft aufgenommen werden. Political Correctness oder wirkliche Überzeugung? Ich war mir nicht ganz sicher.

Nach einem leckeren Mango-Curry-Tofu-Mittagessen im Herzen des übelsten Bezirks der Stadt (der gar nicht so übel aussah, aber es war ja auch mittags, da schlafen die fiesen Drogendealerinnen und -dealer alle noch den Schlaf der Ungerechten…) ging es weiter mit der Neighborhoods Commission, die außerplanmäßig im Tagungsraum des Board of Supervisors tagte, da der eigentliche Sitzungsraum noch vom nicht-öffentlichen Teil der Rights Commission belegt war. Der große Tagungsraum ist ziemlich pompös (leider habe ich keine guten Bilder, aber die reiche ich nach – eins der nicht guten Bilder ist aber schon im Photoalbum), und die Sitzung war dann auch etwas anders. Neben einigen kleineren Geschichten (Geld für HIV/Aids-Projekte, Einrichtung eines Pilotprojekts für die Gesundheitsvorsorge der Stadtbediensteten, Alkoholausschankslizenzen – wo kurz einer der unterhaltsamsten Wortbeiträge des Tages von der Moralfraktion kam: „There are Liquor Stores all over the town. What’s next? Licenses for drughavens? I say: No! Enough is enough!“) kam die Diskussion auf das Outside Lands Festival Ende August. Die Diskussion zwischen besorgten Stadträtinnen und -räten mit dem Veranstaltungsteam und diversen Departments, die ebenfalls in die Vorbereitung eingebunden waren, fand ich als Laienmusikveranstalter sehr spannend. Und hey, das Festival ist an meinem letzten Wochenende in San Francisco, und wisst ihr, wer alles spielt? Radiohead, Beck, Manu Chao, Ben Harper, Tom Petty&the Heartbreakers, Dredg, … leider bin ich beim Jack-Johnson-Konzert am Sonntag abend schon wieder im Flieger, aber trotzdem ist das ein schöner Abschied (und versüßt mir die Tatsache, dass ich eins der schönsten With-Full-Force-Lineups verpassen werde. Und ich spiele stark mit dem Gedanken, im Juli zum MayhemFest zu fahren – immerhin mit Slipknot, Disturbed, Mastodon, Machine Head, Walls of Jericho, Underoath, den 36 Crazyfists und noch ein paar anderen.)

Nach dem langen Tag im Rathaus hab ich wieder mal den Weg nach Haight-Ashbury eingeschlagen und einen großen Punkt auf meiner „What-To-Do-In-SF“-Liste abgehakt – jetzt bin ich stolzer Besitzer von Chez Guevara, der Guerilla-Version meines Lieblingskartenspiels Chez Geek🙂 Schon praktisch, dass hier sogar die Spielzeugläden so lange offen haben. Einmal quer durch die Stadt, und schon war ich wieder daheim. Heute steht noch ein Besuch bei Cindy Sheehans Cindy for Congress-Kampagne an – Freude!

Und wie gehts euch so?

Eine Antwort zu “Cooling down

  1. like the car and the men

    ja, wahnsinn!!!
    da schaffst du´s ja doch noch aufs wüstenfestival. glückwunsch. tanz bei manu chao für mich mit! was für tolle musik, mann ich wär gern dabei!
    viel liebe
    carmen

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