Rock’n’Röllchen

Feiernde Menge

So sah das also Samstag abend aus. Nachdem wir die Wohnung auf Hochglanz gebracht haben, lustiges Dekomaterial aus dem nahegelegenen Scrap („Hey, we need cool stuff for a party, and we have seven bucks! What do we get?“) auf den Rohren und an den Wänden verteilt haben und die Theke (siehe Fotos) aufgebaut haben, trudelten langsam die ersten Gäste ein. Die erste Band, deren Namen ich irgendwie nicht mitgekriegt habe, spielte noch vor einem sehr überschaubaren Publikum, so etwa zehn Leute, nahm es aber sehr selbstironisch und spielte herrlich trashigen Rock. Für die zweite Band, The Love X Nowhere, war schon deutlich mehr Publikum vorhanden, und ich habe dann auch selbst mehr Zeit vor der Bühne verbracht als bei der ersten Band. Allein die Schlagzeugerin, die völlig über den Dingen schwebte, war ein Anblick für sich. Mittlerweile wurde es recht voll und laut, und für mich wurde es immer schwieriger, mit Leuten ins Gespräch zu kommen – die Lautstärke hätte es mir auch auf jeder Party in Deutschland schwer gemacht, alles zu verstehen – aber leicht betrunkenes Englisch war dann wirklich anstrengend für mich, es ist halt „nur“ meine zweite Sprache. Ein Grund mehr, mit Anja die dritte Band anzuschauen, Sweet Crude Bill (beide Gitarristen kamen aus unserer WG). Vorteil 1: Anja spricht deutsch. Vorteil 2: Sweet Crude Bill kann man sich gut anschauen, die letzte Liveshow dieser Band hatte wirklich Feuer. Nach eineinhalb Stunden regulärem Set begann die letzte halbe Stunde, in der sich die Bandmitglieder quer durch die Instrumente durchtauschten und sich noch mal richtig feiern ließen, bis es in einem noisigen Finale gipfelte, bei welchem dann am Schluss die Band auf dem Boden lag… danach wurde es nicht nur deutlich leerer, sondern auch deutlich leiser, und ich schlief für eine Stunde auf einem Sofa im Wohnzimmer. Ich wurde wieder wach, als vor mir gerade eine Gruppe versuchte, an unseren Wasserleitungen Klimmzüge zu machen. Die Rohre bogen sich gut durch, und ich sah schon meine Wohnung in einem letzten großen Wasserschaden absaufen (eine Vision, die ich auch in Bamberg schon öfters hatte, und dort gings ja auch über vier Jahre lang gut…) – aber die Gruppe fand dann schnell eine spannendere Beschäftigung, nachdem Reuben sich lautstark über die Idiotie von Sportübungen an Wasserleitungen aufregte. Jetzt war ich wieder wach, und bis sechs Uhr morgens blieb ich das auch, in verschiedene Gespräche vertieft, bei einer 4am-Jam-Session abtanzend, und im allgemeinen viel Spaß habend.

Ach ja: Das amerikanische Bier genießt zwar einen miserablen Ruf, aber das Albatross-Bier aus San Francisco ist in etwa vergleichbar mit einem leicht alkoholreduzierten Beck’s – ich habe Schlimmeres erwartet… aber mehr als einen Probierbecher habe ich ohnehin nicht getrunken. Vielleicht ist es ja wie mit Rauchbier, und man braucht drei davon, damit es schmeckt? Wer weiß…

Sonntag wurde dafür mit Aufräumarbeiten verbracht(„You mopped the kitchen floor? I’ll mop it again, it’s still sticky…“), mein erster Aufenthalt bei McDonald’s, weil meine Milch zum Cocktailmixen zweckentfremdet wurde, und gaaaaaaanz viel entspannte Zeit, denn heute, also Montag, ist ja mein erster Arbeitstag. Juhu!

4 Antworten zu “Rock’n’Röllchen

  1. der nils im amiland… warte nur, es geht schneller als du denkst, und du hast dich eingelebt. spätestens wenn dich die ersten leute (coffeeshop,…) erkennen und morgens grüßen ist das ein komisches gefühl🙂
    viel glück noch. und probier bitte potatoe chips of naturally blue potatoes und noch so einige absonderlichkeiten, mit denen ich viel spaß hatte!

  2. sanfranils

    potatoe chips of naturally blue potatoes? Wo gibts die denn?

  3. in diesen 24h „apotheken“, die aber neben aspirin und frei rezeptlichem cortison auch cola, chips und sonstiges zeug verkaufen.
    hab leider den namen vergessen, ach ne, warte: duane ready oder so.

  4. sanfranils

    Duane Ready? Gibts hier in der Stadt leider nicht, das is so ne dreckige Eastcoastklitsche🙂 aber vielleicht hat’s ja Walgreens…

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