Baseball und Politik

Nachdem meine Suche nach einem Headset dann doch von Erfolg gekroent war und ich mit dem BART in die Mission gefahren bin (der zu meiner Ueberraschung dann doch genauso teuer war wie ein MUNI-Ticket, also 1.50$), gabs lecker Thaifood zum Mitnehmen – zum Selberkochen kam ich bisher noch nicht so richtig. Vielleicht liegt das an meinem Respekt vor Gasherden?

Abends ist Gabriel gemuetlich auf der Couch versumpft und hat sich Baseball angeschaut. Ich hab mich da einfach mal dazugesetzt – when in Rome, do as the Romans do, right? Ernsthaft: Ich wollte Baseball zumindest mal eine Chance geben, mich zu begeistern. Und so entspannt der Sport auch sein mag, die Werbepausen zwischen den Innings und die ewig in Rueckblenden und Werbekommentare vertieften Kommentatoren haben mich ziemlich genervt. Die Giants, das lokale Baseballteam, hat uebrigens knapp verloren, aber dafuer einen 3-Out geschlagen (also drei Laeufer mit einem Schlag aus dem Spiel befoerdert.) Anscheinend eine grosse Leistung.

Ausserdem hab ich die Badewanne ausprobiert, auch sehr bequem, nur ein bisschen flach. Aber die perfekte Badewanne ist ohnehin noch nicht gebaut worden. Und wieder einmal: Early to bed, early to rise: Um halb sechs morgens kam Kelly von der Arbeit heim und begann zu schnarchen, also war die Nacht vorbei. Dafuer haben ganz viele Menschen lange erwartete Emails von mir geschrieben bekommen. Insofern war der Morgen durchaus nuetzlich. Und dann schnallte ich meine Skates an, denn endlich, endlich sollte ich meine Chefin treffen.

Einen Skatetrip spaeter war ich in der Mission (Nette Gegend: Diese Schule ist direkt in der Naehe. Beim link mal auf Strassenansicht klicken…), meine Chefin hat mich erstmal zum Fruehstueck eingeladen. Erste Angst unbegruendet: Sie war deutlich netter (und juenger), als es am Telefon den Anschein hatte. Sehr cool. Schoen auch im Cafe: Wait to be seated, es gab also eine Warteliste und knapp 10 Leute, die wirklich auf einen Platz warteten. Wir begnuegten uns auch mit einem Platz an der Strasse und sassen nach drei Minuten. Dann bekam ich meinen Crashkurs in amerikanische Politik, insbesondere Lokalpolitik (das wird nochmal ein eigener Eintrag, aber erst nach der Party). Dann kamen wir zu den aktuellen Themen: Dienstag ist Wahltag! Alle Basisdemokratinnen und -demokraten duerfen jetzt kurz heulen, wie paradiesisch San Francisco ist. Zur Wahl stehen (nachzulesen hier):

– eine Position als Richter beim Obersten Gerichtshof in Kalifornien
– ein Sitz im Senat Kaliforniens (vergleichbar mit dem Senat in Washington)
– ein Platz im Repraesentantenhaus Kaliforniens
– Proposition A: Einfuehrung einer Schulsteuer auf Grundstuecke, welche die Bezahlung von Lehrkraeften verbessern soll – 28 Millionen Dollar zusaetzlich fuer die Schulen im Stadtgebiet.
– Proposition B: Etwas komplexer, es geht um Pensionen fuer Stadtbedienstete, Anrechnungsfristen und so. Interessiert mich ehrlich gesagt nicht so sehr.
– Proposition C: Auch komplex: Es geht um Feuerwehrleute und Polizeikraefte, welche im Dienst ein Verbrechen begehen, sowie deren Rentenansprueche.
– Proposition D: Es geht um verstaerkte Repraesentativitaet der verschiedenen Boards (vielleicht am naheliegendsten mit Ausschuss uebersetzt), welche dafuer Sorge tragen sollen, dass „men and women of all races, ethnicities, sexual orientations and types of disabilities“ in zukunft beruecksichtigt werden und die angestellten der stadt entsprechende nominierungen unterstuetzen.
– Proposition E: Soll sicherstellen, dass Mitglieder der Public Utilities Commission einschlaegige Qualifikationen aufweisen sollen und in Zukunft vom Stadtrat bestaetigt werden muessen (bisher kann der Buergermeister das machen, wie er will.)
– Proposition F/G: Zwei konkurrierende Propositions, welche sich um die Entwicklung des ehemaligen Marinehafens drehen. Spannend: Demokraten und Republikaner wollen das toxische Gelaende an eine grosse Investmentfirma verschenken (!), welche eine entsprechende Formulierung geschrieben hat, um dort frei Schnauze zu tun, was sie will, oder soll eine Entwicklung in diesem Bereich auch Wohngelegenheiten fuer Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen beruecksichtigen? Wird sehr kontrovers diskutiert, wobei in meiner Wohngegend (und von den Gruenen) ganz klar die soziale Alternative favorisiert wird.
– Proposition H: Spannend: Firmen, die Vertraege mit der Stadt haben, sollen nicht mehr in der Lage sein, Wahlkaempfe, AmtsinhaberInnen und KandidatInnen finanziell zu unterstuetzen. Die konkrete Formulierung wuerde es jedoch weiterhin erlauben, den Buergermeister/die Buergermeisterin zu sponsern. Wer hat diese Proposition eingereicht? Der Buergermeister. Hmm…

Außerdem geht es noch für ganz Kalifornien um die spannende Frage, ob der Staat Privateigentum zur Entwicklung durch nicht-staatliche Firmen enteignen darf, oder nicht. Prop. 98 würde jedoch gleich dazu noch die Mietkontrolle aufheben, die in Kalifornien in knapp 100 Städten die Mieten reguliert, was zu ungleich teureren Mieten führen könnte. Prop. 99 scheint das besser hinzukriegen, aber ich steig da noch nicht ganz durch. Montag bin ich aber am Infostand und werd mich da auch mal selbst etwas besser aufklären lassen…  die Kontroverse wird im entsprechenden Ballotpedia-Artikel aufgearbeitet.

Ups, da bin ich wohl etwas ausführlich geworden… egal🙂 In jedem Falle habe ich jetzt meine Arbeit für die erste Woche: Freie Zeit in City Hall verbringen und die aktuelle Stadtpolitik verfolgen. Außerdem Montag viereinhalb Stunden für die Wahl werben, Dienstag dann den ganzen Tag. Ende der Woche krieg ich dann meinen Büroschlüssel und werde mich auf die Büroorganisation stürzen, denn All-Volunteer-Büros neigen zum Chaos, das kenne ich auch noch aus meiner Zeit beim SprecherInnenRat an der Uni Bamberg – jetzt schlüpfe ich also in die Rolle, die damals Annette gespielt hat. Ich bin ja mal gespannt… mein Name und meine Emailadresse sind jetzt auch über die Mailinglisten der Grünen gegangen, Dienstag in einer Woche ist SFGPCC-Meeting (schlimme Abkürzung, aber im Prinzip der Vorstand.) Bei der Mitgliederversammlung in drei Wochen soll ich dann die Arbeit von B90/Grüne in Deutschland vorstellen, das wird bestimmt auch ganz witzig. Und jetzt freue ich mich auch noch mehr drauf als vorher!

Danach war ich noch im Atlas Café (sehr nettes Café mit sehr fairen Preisen), habe mir ein Fahrradschloss gekauft und bin wieder heimgerollt, denn abends gabs dann eine Party. Bilder stehen schon bei flickr, einfach rechts auf die Bilder klicken, und ihr kommt zum (immer mal wieder aktualisierten) Bilderset „San Francisco“. Schauts ma nei! Partybericht kommt dann im Lauf der Tage, ich hab nämlich grad noch ein Schlafdefizit nachzuholen…

2 Antworten zu “Baseball und Politik

  1. „Bei der Mitgliederversammlung in drei Wochen soll ich dann die Arbeit von B90/Grüne in Deutschland vorstellen, das wird bestimmt auch ganz witzig. “
    Da bin ich ja gespannt, wie du Marc-Uwe Klings Bananengleichnis ins Angloamerikanische überträgst😉
    Heute grün, morgen gelb und übermorgen schwarz- Ein Castor fährt nach Kosovo, am Steuer Peter Hartz…

  2. sanfranils

    Na, ob ich das Bananengleichnis wirklich 1:1 übertragen will… ich glaube nicht🙂

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s