Tag Zwei

Morgen früh will ich früh raus und nach Downtown, deswegen gibts heut den Rückblick schon am Abend – und für die Frühaufsteher unter euch: Guten Morgen, bei euch ist gerade kurz nach halb acht. (ich gebe zu, dass diese Zeitverschiebung mich ziemlich fasziniert). (edit: Tja, und da ist unsere Internetverbindung in der Wohnung kollabiert. Mittlerweile sitze ich in einem Café in Downtown, bei euch ist gerade 10 Uhr am Abend.) So what’s new?

Heute morgen hab ich erst mal den nächstgelegenen Grocery Store besucht, um mich mit Frühstück zu versorgen – lecker Cornflakes mit Milch und Äpfeln und Bananen, besser als nichts. Nach dem morgendlichen Rumgammeln mit Gabriel und Mallary (incl. Traumdeutungen und toten Katzen, wenngleich nur als Gesprächsthema) hab ich meinen Arsch dann doch noch hochbekommen, meine Skates untergeschnallt und mich auf dem Weg gemacht, meine Einkaufsliste abzuhaken.

Die Einkaufsliste:

– shower gel
– wallet
– short pants
– FOOD
– headset

Also auf in die Mission. Ein 2nd-Hand-Laden hat mich nach etwa eineinhalb Meilen spontan angesprochen, und keine 10 Minuten später war ich im Besitz einer neuen, kurzen Hose. Sehr schön. Weiter die Straße herunter wurde mir das Paradies auf Erden für die health-conscious/vegetarian/vegan-Fraktion versprochen: Die Rainbow Grocery. Und in der Tat war ich erst mal ganz schön geplättet von der Größe dieses mutierten Bioladens, der doch größer war als die meisten Innenstadtsupermärkte in Deutschland, aber fast ausschließlich Bio/Fair Trade-Produkte führt. Die Preise sind etwas happig, aber der Pfefferkäse war es in jedem Falle wert, und jetzt bin ich auch mit einem guten Vorrat an frischem Biogemüse versorgt. Vom abgefahrensten Duschgel der Welt ganz zu schweigen. (checkt mal „Dr. Bronners Philosophy“ im Bereich „History“ aus…) All-One or None! All-One! All-One! All-One! Health is Wealth! Cleanliness is Godliness! Und es gab sogar deutsches Brot, worüber ich sehr, sehr froh bin.

Nachdem ich jetzt also schon ein paar Stunden und drei Meilen unterwegs war und die Erkenntnis gewonnen habe, dass Skaten in San Francisco zwar besser möglich ist als in den meisten deutschen Städten, der Reisekomfort jedoch etwas zu wünschen übrig lässt, habe ich mich entschieden, den direkten Heimweg einzuschlagen und mir bei Gelegenheit ein Fahrrad zu besorgen. Durchgeschwitzt und mit den Punkten „Geldbeutel“ und „Headset“ noch auf der offenen Einkaufsliste kam ich zurück zur Wohnung, und nach dem Duschen entschloss ich mich dafür, euch endlich meine Wohnung zugänglich zu machen. Et voila:

http://www.youtube.com/watch?v=YuWKcBJ8HqY

Hier die Untertitel:

0.00-0.16: Das ist die Außenansicht, mit bemaltem Garagentor und den Türschildern der beiden Studios/Appartments/Units, welche sich hinter der gemeinsamen Außentür verbergen.
– 0.20: Da hinten gehts zum Studio G, unseren lieben Nachbarinnen.
– 0.34: Die eigentliche Wohnungstür von beiden Seiten
– 0.39: Das Zimmer am Ende des Kameraschwenks ist Arlens Zimmer.
– 1.00: Das ist der Bandprobenraum/generelle Lagerraum/whatever. Viel Zeug, viel Platz.
– 1.10: Unsere Terrasse. Bitte bemerkt die großartige Aussicht (zumindest nach oben)
– 1.21: Ich hab keine Ahnung, ob dieses Zimmer bewohnt ist, und ich hab keine Ahnung, ob diese Sofas auch mal zum Sitzen genutzt werden. Heute morgen lag die Sängerin der Band drauf, sonst liegen da nur Klamotten.
– 1.32: Das ist Kellys Zimmer, und in der dunklen Ecke steht das zweite Bett, auf dem derzeit ich wohne. Zum Glück sieht mans nicht so genau, ich hab schon wieder Chaos angerichtet.
– 1.40: Das ist derzeit Chris‘ Zimmer, ab Montag oder Dienstag dann meins. Geht noch links um die Ecke rum, aber da wollte ich nicht rein, wenn er nicht da ist.
2.08: Voila, das ist unsere Küche! Die Pfanne wurde übrigens wieder sauber.
2.12: Nicht sehr spannend: Die Waschküche. Was man auf dem Video nicht sieht: Über eine Leiter im Boden kommt man zum darunterliegenden Zimmer einer weiteren Mitbewohnerin, deren Name mir gerade entfallen ist.
2.23: Lecker, so ein voller Kühlschrank!
2.42: Das war unser Luxusbadezimmer! Hinter der Badewanne sind wirklich Teelichthalter für rund 40 Kerzen…
Ende: Unser Wohnzimmer und ein Rundumblick. Ich mag’s hier wirklich sehr…

Gestern Abend wollte ich eigentlich noch mal nach Downtown, bin aber mittlerweile froh, dass ich mich doch dazu entschieden habe, dass ich für einen Tag genug habe. Abends war Pokerabend geplant, bei dem ich mich zum Zuschauen entschieden habe und nebenbei diesen Blog angefangen habe. Ich unterhielt mich sehr gut mit Melissa, die auch erst seit einem Monat in der Stadt ist – nicht die einzige Parallele, denn sie hat auch schon ein Semester in Spanien verbracht und weiß daher, wie es sich anfühlt, neu in einer anderen Stadt in einem anderen Land zu sein.

Und es ist wirklich ein komisches Gefühl: Vieles ist ähnlich wie in Deutschland, andere Sachen sind wieder vollkommen unterschiedlich. Zum Beispiel die Wasserhähne: das warme Wasser wird hier mit dem linken Knopf aufgedreht, das kalte mit dem rechten. Ticketautomaten für den ÖPNV gibt es bei den Bussen und Straßenbahnen nicht, nur in der BART – und mit der fährt man in der Stadt eigentlich nicht, dafür ist sie einfach zu teuer (von meiner nächstgelegenen BART-Station, die auch nicht gerade um die Ecke ist, nach Downtown sind es 3.50$, mit dem deutlich näher gelegenen Bus oder MUNI Rail 1.50$); In Gesprächen rutscht mir immer mal wieder ein deutsches Wort auf die Zunge, und das wird dann irgendwie noch veramerikanisiert – was zu Sätzen führt wie „Noone would do that, klear (eine Mischung aus klar und clear – was man in dem Kontext trotzdem nicht sagen würde), but…“)
Das sind Kleinigkeiten, aber sie erfordern dann doch eine Umstellung. Aber das klappt immer besser.

Außerdem habe ich gestern die „Frau“ meines Vermieters kennengelernt, die aus dem Schwarzwald kommt, aber mittlerweile in der Bay Area lebt und damit sehr glücklich ist. Es war ziemlich angenehm, mal wieder deutsch reden zu können (Oh Gott, und das sage ich schon nach einem Tag!), und sich ein bisschen auszutauschen über das Leben in den Staaten. Falls jemand lustige Geschichten hören will, fragt mich einfach mal im ICQ oder Skype nach den Details ihrer Hochzeit…

Dann habe ich gestern noch einen Termin mit meiner Chefin ausgemacht, die ich am Telefon wohl etwas überfahren habe (ich hab aber auch alles zusammengebracht: Highspeedenglisch mit einigen argen Fehlern in der Aussprache – ich war aber auch nervös), aber immerhin hab ich jetzt Samstagvormittag ein Treffen mit ihr in ihrer Wohnung im Mission. Bin mal gespannt.

Gegen 11 bin ich aber wieder zusammengeklappt, aber heute morgen konnte ich bis 9 schlafen – zumindest uhrzeitmäßig bin ich jetzt in Amerika gut angekommen und hoffe, dass mein Körper jetzt auch mal spätere Uhrzeiten gut mitmacht, morgen wird schließlich gefeiert, und heute abend ist bestimmt auch wieder irgendwas los. Und nach einem längeren Gespräch mit Kelly über die Grünen, über Politik im Allgemeinen und Autobahnen im Besonderen (ich habs gewusst, dass thema lässt mich nicht los) bin ich dann also nach Downtown aufgebrochen – and here i am. Mit neuem Geldbeutel übrigens. Und ein Headset bekomme ich hier bestimmt auch, und wenn dann noch unser Internet wieder funktioniert – DANN kann ich auch ma anrufen🙂

3 Antworten zu “Tag Zwei

  1. wow, ein beeindruckender rundumblick. die architektur hat etwas escher-artiges (diese treppen, diese treppen!). & ich glaube dir sofort, dass man sich dort wohlfühlen kann.

    (& es ist schön, dass du dir so viel zeit für die blogeinträge nimmst.🙂 )

  2. sanfranils

    unter der waschküche ist übrigens das letzte wg-zimmer versteckt – sehr stylisch mit bodenklappe und leiter…

  3. Ey alta….. ich bin da ma neidisch…… Entweder ich kauf mir jetzt dann nen Fabrikgebäude oder ich komm auch nach SF….

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